Ausstellungsdauer: 5. – 20.3.2005
Vernissage: 4.3.2005, 20 Uhr mit DJ RoundTable™ »Dub meets Walzer«
Das hier zum »Viermäderlhaus« erweiterte »Dreimäderlhaus« ist ein zum Topos gewordener Titel einer Schubert-Operette, der die gängige Vorstellung vom »süßen Wiener Mädel« geprägt hat. Ein Österreich-Klischée, das nicht zuletzt durch die Ernst-Marischka-Verfilmung als Heimatkitsch in den späten 50er Jahre massentauglich geworden ist.
Eva Heizinger, Marianne Lang, Teresa Präauer und Eva Widmann zeigen in der Ausstellung »Viermäderlhaus« vier eigenständige künstlerische Positionen, deren Gemeinsamkeit sich vorerst auch aus dem gemeinsamen Studium an der Salzburger Kunstuniversität Mozarteum in der Klasse für Malerei und neue Medien bei Dieter Kleinpeter ergibt.
Außerdem verbindet sie zum Teil die thematische Auseinandersetzung mit weiblichen Rollenklischées in medial geprägten Projektions- und Oberflächen, das Interesse am Figurativen und an der Selbstdarstellung. Formal lassen sich Korrespondenzen in der Wahl der Medien und der Farbwahl finden.
Allen vier Künstlerinnen durchweg gemeinsam ist eine Sammelleidenschaft als Antrieb der künstlerischen Produktion:
Bei Eva Widmann ist es seit Jahren die Monomanie der Erinnerung an betrachtete architektonische Geographie: Kanten, Verstrebungen, Pfeiler. Eva Widmann sammelt in ihren malerischen Arbeiten ihre Umgebung: sie scannt gleichsam Ausschnitt für Ausschnitt. Das Grau der urbanen Umgebung wird bei ihr zur poetisch vibrierenden Lasur auf dem Bildträger Leinwand.
Eva Heizinger teilt diese Faszination an der Linie und der monochromen Fläche. Sie verstrickt und verflicht diese in ihren geometrischen »Musterbildern«. In den jüngsten Videoarbeiten und Performances könnte der Begriff des Sammelns auf das Recherchieren von biographischen Daten angewandt werden. So setzt sie beispielsweise die detaillierte Künstlerbiographie von Elke Krystufek analog zu ihrem eigenen künstlerischen Lebenslauf. Vor allem die Ausstellungsbiographie stellt den Künstler/die Künstlerin im Kunstbetrieb dar, rechtfertigt ihn/sie in der eigenen künstlerischen Tätigkeit/Existenz und dient zugleich als Messlatte für die Künstlerkarriere. Die Analogie bildet im weiteren auch bei Eva Heizingers Fotoarbeiten die thematische und formale Klammer, wenn Mutter und Tochter für die Kamera beispielsweise dieselbe Pose imitieren.
Marianne Lang trifft man vielleicht auf einem der Salzburger Flohmärkte oder beim Altwarenhändler an. Sie schneidet ihr eigenes fotografisches Porträt ins Mittelstandsglück vorgefundener Foto- und Diasammlungen bereits verstorbener Ehepaare und Kleinfamilien hinein. In ihrer jüngsten Videoarbeit montiert sie sich in den 3D-generierten Alltag der putzenden Hausfrau. Das Interesse ihrer Malerei gilt den abstrahierten Figuren der japanischen Mangas, junger Mädchen mit großen Augen und einem kleinen, wendigen Körper.
Puppen sind Projektionen von Sehnsüchten: vordergründig nach einem schnuckeligen (kindchenschematischen) Aussehen, das, in Kunststoff oder Porzellan eingefroren, seine Makellosigkeit nicht verliert.
Nur eine kleine Abweichung in der Darstellung – schwarze Tinte statt des rosa Acryls – macht das niedliche Puppengesicht zur Fratze. Abbildungen von Spielfiguren, von Mädchen aus Hochglanzmagazinen, von Protagonistinnen auch bereits vergangener Jahrzehnte, sammelt Teresa Präauer als Vorgabe für ihre Serien von gemalten Köpfen und Gesichtern. Die Übertragung in die Malerei heißt hier einerseits ein sich-zunutze-machen der Bedeutungsebenen, des proklamierten »Lebensgefühls«, der Ästhetik der zitierten Vorlage. Andererseits ist es ein Schöpfen aus dem Fundus der Bilder, die uns umgeben oder die uns entschwinden, eine Einverleibung und Neukodierung dieser durch die Malerei. In ihren Videoarbeiten wiederum treibt Teresa Präauer als Fotopapierfigur im Loop durch einen Alltag, geprägt von Melancholie und Komik.




