programm archiv

11.03.2005
Videoraum: Sabine Höpfner

Videoinstallation »Wasserfest«

Ausstellungsdauer: 12. März bis 3. April 2005

Vernissage: Freitag, den 11. März um 20 Uhr

Aus der Videoarbeit »Wasserfest« von Sabine Höpfner

Aus der Videoarbeit »Wasserfest« von Sabine Höpfner

Mit den Projekten Videocouch und Videoraum stellt feld für kunst Filme und Installationen vor, die sich mittels Video präsentieren oder das Medium inhaltlich thematisieren.

 

Der Videoraum befindet sich in den ehemaligen Duschräumen im neuen feld für kunst. Parallel zum wechselnden Ausstellungsbetrieb im großen Raum werden KünstlerInnen eingeladen, den Videoraum für Experimente und Installationen zu nutzen.

 

 

Sabine Höpfner »Wasserfest«

 

Seit meinem Studium beschäftige ich mich mit der Verwendung und Bearbeitung von Fotos im Film. Ursprünglich kam es mir dabei hauptsächlich auf die Verfremdung der Fotografien an. Durch Bearbeitungen im Fotolabor wie Mehrfachkopierung und Einbelichtung von Fotogrammen versuchte ich eine Atmosphäre zu schaffen, die zwar noch eine Referenz an die Realität bietet aber zugleich auch ein surreales Eigenleben erhält. Die Motive sollten dabei eher zum Assoziieren anregen, als einem linearen Erzählstrang folgen.

 

Mir ist dabei aufgefallen, dass ich in vielen Einstellungen die ursprünglichen Fotografien immer derart manipulierte, dass nicht eine bestimmte Entwicklung innerhalb des Bildes entstand, sondern eher eine Art »Auf-der Stelle-Laufen«.

Da diese Kreisbewegung der Linearität eines Filmes widerspricht, war es nun an der Zeit formale Lösungen für meine Arbeit zu finden.

 

Ich habe das »bewegte Standbild« als konzeptionellen Begriff für mich gefunden. Wenn jeweils einzelne Motive aus meinen Filmen endlos weiterlaufen würden, könnten sie tatsächlich wie Fotos an einer Wand betrachtet werden, allerdings Fotos, die sich bewegen.

 

Ich versuchte nun, diese bewegten Fotos mittels der Videoprojektion zu realisieren. Dazu habe ich einzelne Einstellungen aus meinen Filmen Hybrid and Superimposition und Still-scan am Computer vervielfältigt und anschließend auf VHS kopiert, diese Endlosbänder können dann projiziert oder auf Monitoren gezeigt werden.

 

Für NachtSchleife habe ich diese Idee auf am Computer animierte Fotogramme angewendet. Dabei soll den beiden Aspekten dieses Begriffs - dem »Lebendigen« des Films und dem zeitlich Fixierten, Starren des Fotos - Rechnung getragen werden. Entstanden sind Videobilder im Charakter von illuminierten Präparaten oder Konserven.

 

Bei meinen folgenden Videoarbeiten bin ich ebenfalls von einer einzigen Fotografie ausgegangen und habe diese am Computer mit Bild- und Videobearbeitungsprogrammen zu einem »bewegten Standbild« komponiert. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich nicht um realistische Videoaufnahmen handelt. Im wesentlichen kam es mir auf eine organische Bewegung an, die bei genauerem Betrachten jedoch Befremden auslöst, da dem Motiv trotz aller Bewegtheit eine eigene Statik innewohnt die das Konstrukt, das Artefakt freilegt.

 

Sabine Höpfner

 

 

Bewegte Standbilder

 

Sabine Höpfners Interesse gilt dem Übergang von der Fotografie zum Film, besser: der Rückerinnerung des Films an seine fotografischen Wurzeln. Ein Interesse, das die ernstzunehmende Filmwissenschaft bis in die zwanziger Jahre beschäftigt hat, mit dem Tonfilm und der damit verbundenen Dominanz des linear erzählerischen Films aber in den Hintergrund getreten ist.

 

Mit der zunehmenden Stereotypisierung des narrativen Films und der Vorherrschaft filmpraktischer Anweisungen auf Kochbuchniveau, gewinnen jedoch Reflexionen über den »Film als Film« wieder an Boden.

 

Diese Überlegungen haben Sabine Höpfner das Feld (sic!) geöffnet für ihre künstlerischen Verfahrensweisen, in denen die Bewegung des Bildes in status nascendi dargestellt werden kann. Also Bilder, die nur ein wenig »verrückt«, auf eine sich bildende Bewegung hinweisen. Die Prototypen, die dabei entstehen, verweisen auf Ereignisse als kleinste Einheiten filmischer Abläufe, die den großen narrativen Strukturen vorweggehen. Diese Wahrnehmungsereignisse sind die Basis für ein sich entwickelndes Konzept von Installationen in realen Räumen in denen diese »visuelle Kernspaltung« praktiziert wird.

 

Bei dem hohen intellektuellen Niveau, die Sabine Höpfners Arbeiten haben, sollte nicht übersehen werden, dass die praktischen Arbeiten einen ebenso hohen ästhetischen und emotionalen Reiz besitzen, der gerade durch ihr Konzept freigelegt wird.

 

Es geht um die Aufdeckung von Sehmomenten (aisthesis), die unter Konventionen verschüttet sind. Eine faszinierend konsequente, wirklich aktuelle Arbeit, die ihre Kraft aus der mikrologischen Genauigkeit zieht.

 

Gerd Roscher